Archiv für das Jahr: 2022

Die Mondfinsternis am 16. Mai 2022

220517 Am Montag fand für Frühaufsteher eine Mondfinsternis statt. Eigentlich war es eine totale Mondfinsternis, wir konnten aber in unseren Breiten nur die partielle Phase beobachten. Gegen 5:00 Uhr MESZ ging der Mond dann unter. Den Erdschatten auf dem Mond konnte man bis in etwa 3° Höhe über dem mathematischen Horizont beobachten (siehe kontrastverstärktes Schwarzweißbild). Die Aufnahme entstand um 4:52 Uhr MESZ. Später war nur noch der “Halbmond” bzw. der nicht verfinsterte Vollmond wahrnehmbar. Am Osthimmel gingen zur gleichen Zeit Jupiter und Saturn auf.

Interessant wird diese Beobachtung für den Mondaufgang am 7. September 2025 sein. Dort wird der total verfinsterte Mond dann in der Morgendämmerung am Osthimmel aufgehen. Durch die Extinktion, die Schwächung des Lichtes des Mondes durch die Atmosphäre, wird der Mond für das bloße Auge erst ab einer gewissen Höhe zu beobachten sein.

Der Aufbau unseres neuen Fernrohrs in vier Akten

220509 Am Sonnabend erfolgte der Aufbau unseres neuen Fernrohrs. Zunächst wurde aus einer Meusburger Edelstahlnormalie eine neue Adapterplatte für die Montierung angefertigt. Die Zeichnung fertigte Stefan an, die Fräsarbeiten wurden von Falk ausgeführt.

Diese Platte wurde auf den Säulenkopf montiert. Dirk hatte eine antike Präzisionswasserwaage mitgebracht (0,03 mm Abweichung auf 1 Meter), um die Platte genau waagerecht zu montieren. Die Justierung erfolgt über jeweils vier Druck- und Zugschrauben. Nach der Ausrichtung wurde die Montierung aufgesetzt. Jetzt erfolgte die Montage des eigentlichen  Fernrohrs.

21 Kilogramm wurden auf die Montierung gehoben und fest verschraubt. Danach wurde das Fernrohr ausbalanciert. Um 18:06 Uhr MESZ wurde erstmals der Strom eingeschaltet und die Montierung getestet. Bis auf die Handsteuerbox funktionierte alles bestens. Uwe machte gleich ein Mondbild mit dem Handy und war von der Auflösung begeistert.

Am nächsten Abend wurde begonnen die Montierung einzuscheinern. Bei diesem letzten Akt wird die Stundenachse der Montierung parallel zur Erdachse ausgerichtet. Dabei wird die Südausrichtung und die Polhöhe durch die Beobachtung zweier Sterne peinlich genau justiert. Da diese Art der Ausrichtung  vom deutschen Astrophysiker Julius Scheiner 1897 ersonnen wurde, nennt man den Vorgang auch “einscheinern”. Dies kann schon mal eine ganze Nacht in Anspruch nehmen.

Erste Testaufnahmen vom Brocken und Mond wurden noch gemacht. Das Fokalbild des Mondes ist nun so groß (die Brennweite beträgt 3,9 Meter), dass das Bild nicht mehr mit einer Kleinbildkamera (24 x 36 mm Bildfeld) komplett aufgenommen werden kann. Selbst beim Halbmond werden zwei Aufnahmen benötigt, die mit einer geeigneten Software zusammen gesetzt werden müssen.

Ein neues Beobachtungszeitalter hat nun am 7. Mai 2022 auf der Sternwarte Quedlinburg begonnen. Wir freuen uns auf viele interessierte Besucher, denen wir mit unserem neuen Fernrohr den Himmel noch besser zeigen können.

Wie ist unser Sonnensystem entstanden?

220506 In der SINA-CURA Schule in Gernrode, einem Ortsteil von Quedlinburg, fand ein  Vortrag von Prof. Harald Lesch zum Thema “Wie ist unser Sonnensystem enstanden” statt. Durch eine Zugverspätung begann der Vortrag mit ausverkauftem Haus etwa 20 Minuten später. Er sprach sehr anschaulich zu diesem Thema und dass wir als “Gast des Lebens” die Natur unbedingt erhalten müssen. “Gäste verlassen das Haus immer so, wie sie es vorgefunden haben.” war eine Botschaft dieses Vortrages.

Harald Lesch findet es bemerkenswert, dass unser Verein ehrenamtlich eine Sternwarte mit einem unterirdischen Kulturraum als Bildungsstätte für alle interessierten Bürger aufbaut und betreibt. Der Kulturverein Gernrode wird der Sternwarte einen Gegenbesuch abstatten.

Hurra, die EQ8 ist da!

220506 Nach einer Sonderspendenaktion war nun endlich das Geld für unsere neue Montierung da. Diese kam am 4. Mai 2022 per Spedition in der Sternwarte an. Die Freude war natürlich riesengroß, können wir doch nun unseren Besuchern den Himmel noch besser zeigen.

Die Montierung wird unser C14, ein Spiegelteleskop mit 356 mm Spiegeldurchmesser und 3910 mm Brennweite problemlos tragen, da die Montierung Fernrohre bis zu einem Gewicht von 50 Kilogramm trägt. Weiterhin wird sie mit einer Handsteuerbox bedient, so daß die astronomischen Objekte nun per Knopfdruck angesteuert werden können.

Der begehbare Geschirrschrank wurde ebenfalls fertig gestellt.

Im kleinen Vortragsraum wurde eine Leinwand installiert.

Die Welterbestadt Quedlinburg im Gespräch…

220506…über Vereine und Ehrenamt der Welterbestadt. Im Rahmen der “Hoftage Königstage Festzeit 2022 – 1100 Jahre urkundliche Erwähnung Villa Quitilingaburg” fand in der Sternwarte Quedlinburg am 4.5.2022 ein Treffen der Vereine der Stadt Quedlinburg statt. Viele Vereine, wie zum Beispiel das THW, der Schützenverein, der BUND, der Stadtführerverein, der Karnevalsverein, das Jugendforum, der Harzclub, der Wipertiverein, der Harzfreifunk und andere folgten der Einladung. An dem Abend wurde festgestellt. dass fast alle Vereine mit Nachwuchsproblemen kämpfen. Wer also Lust und Interesse hat, ist herzlich eingeladen, mal in einen Verein “reinzuriechen”.

Zaun, Elektrik, Fußboden, Schrank und zwei Geburtstage…

20220425 … standen auf der Arbeitsliste für den 22. April 2022. Auf der Beobachtungswiese wurden der Boden für die Beobachtungsstationen abgetragen. Für die kleineren Fernrohre sollen dort zwei massive Säulen stehen. Damit bei weiteren Baumarbeiten das Geländer keinen Schaden nimmt, wurde es abmontiert und gesichert.

Der Geschirrspüler hat nun einen festen Standort. Dafür mussten die Steckdosen und Lichtschalter etwas nach oben versetzt werden, was Stefan fachmännisch ausführte. Uwe baute einen phänomenalen begehbaren Geschirrschrank mit zwei Schiebetüren. Gerdi und Christian nahmen sich den Fußboden im Eingangsbereich der oberen Etage vor. Vor dem Aufbringen des eigentlichen Fußbodens wurden unebene Stellen ausgeglichen.

Kuchen gab es reichlich, schließlich hatten wir auch zwei Geburtstagskinder unter uns. Wer die Geburtstagkinder waren wird aber nicht verraten.

Testaufnahmen von umgebauter Zeiss Montierung Ib mit C8

220329 Testaufnahmen von umgebauter Zeiss Montierung Ib mit C8

Am Sonntag wurde das gute Wetter genutzt um die umgebaute Ib-Montierung mit dem MGEN-Autoguider zu verbinden und damit durch das C8 ein paar Aufnahmen zu machen. Es wurde sozusagen durch ein Teleobjektiv mit 2000mm Brennweite fotografiert. Als Kamera wurde eine kleine Fuji-XM2 eingesetzt. Belichtet wurden kleine Serien vom Orionnebel M42 und dem Krebsnebel M1.

Details:
Auf dem C8 befand sich huckepack das Leitrohr für das Nachführsystem MGEN. Damit wird ein passender Leitstern in Objektnähe eingestellt. Der MGEN hat eine eigenen kleine Kamera und schaut ständig nach, ob dieser Leitstern immer noch an der richtigen Stelle ist. Wenn nicht, sendet er an die Steuerung der Montierung  (dem OnStep-Eigenbau) entsprechende  Korrektursignale. Diese schaltet dann die beiden Motoren der Montierung.

Das Leitrohr vom MGEN-Autoguider hat nur 180mm Brennweite und muß damit das Fernrohr mit 2000mm Brennweite korrigieren. Damit das klappt, muß der MGEN mit seinem eigenen Aufnahmechip im Subpixelbereich messen können. Der MGEN ist auf 0,1 Pixel Genauigkeit programmiert, das heißt bei 2000mm Fernrohrbrennweite sind das dann an der Fuji im fertigen Bild ca. 1 Pixel Ungenauigkeit.
Die Aufnahmen zeigen, daß die Steuerung der Montierung super funktioniert hat. Der MGEN ist ein genialer Helfer.
Zum Überlagern der Bilder wurde Fitswork genutzt und der Einfachheit halber nur die JPG verwendet.

Viele Grüße von Stefan Kunz

Baumfällarbeiten

220329  Die Dürrejahre hinterließen auch auf der Sternwarte ihre Spuren. Viele Bäume waren vertrocknet und stellten eine Gefahr für unsere Solaranlage dar, da leider auch die Stürme zunehmen. So wurden mit Tilo die Gefahrenquellen beseitigt und somit gleichzeitig ein freier Blick gen Westen geschaffen. Ein weiterer positiver Effekt ist, daß nun unsere Solaranlage vier Kilowattstunden mehr Energie erzeugt, welche der Trocknung des Wasserbehälters, unserem Kulturraum, zugute kommt.

Aufgrund der freien Sicht sind nun Beobachtungen der Planeten, des Mondes und der Sonne auch am Abend möglich (siehe vorherigen Eintrag).

Sonnenuntergänge

220327  Sonnenuntergänge können sehr romatisch sein. Da nun auf der Sternwarte die Sicht gen Westen frei ist und Mitteleuropa eine Woche lang unter Hochdruckeinfluss war, wurde an acht Tagen der Sonnenuntergang von der Sternwarte aus fotografiert. Mit dem kostenlosen Programm Stellarium wurde zuvor die Aufnahmezeit bestimmt, wann die Sonne in etwa die gleiche Höhe hat (hier 1,9° über dem mathematischen Horizont). Die Bilder wurden mit Photoshop zusammen montiert.

Leider war am entscheidenden Tag, dem 26. März 2022, eine Woche nach Frühlingsanfang, der Himmel bedeckt. Dieses Jahr gibt es jedoch noch eine weitere Chance, die Sonne hinter dem Brocken zu fotografieren, nämlich am 16.09.2022. Sie sind herzlich zur Beobachtung eingeladen.

Das kleine Bild zeigt den Sonnenuntergang hinter dem Brocken am 25.03.2022, einen Tag vor dem Ereignis, fotografiert von Stefan Kunz. Beachtenswert sind die beiden Sonnenflecken zwischen den Brockentürmen (auf das Bild klicken und mit der gedrückten “Strg”-Taste und dem Mausrad das Bild weiter vergrößern, bis die beiden Flecken sichtbar werden).

Umbau Zeiss Montierung Ib auf Schrittmotorsteuerung mit GOTO

220312 Unser Mitglied Stefan Kunz hat ein neues Eigenbauprojekt vorgestellt:

Umbau der parallaktischen Montierung Ib auf Schrittmotorsteuerung.

Im Jahre 1960 wurde die Montierung Ib von Carl Zeiss Jena neu auf den Markt gebracht. Die Tragkraft beträgt 20kg und ist damit vergleichbar mit der der weitverbreiteten EQ6. Allerdings ist nur ein einfacher Synchronmotorantrieb für Netzspannung 220V/50Hz für die Rektaszensionsachse eingebaut, um die Himmelsdrehung auszugleichen. Die Deklinationsachse kann nur manuell betätigt werden.

Die Aufgabe bestand darin, für diese robuste Montierung eine moderne Steuerung mit
Antrieb in beiden Achsen und GoTo zu entwickeln.

Projektschritte:
1. Analyse des verbauten Getriebes im Rektaszensionsantrieb
2. Konstruktion der Zusatzteile für Motoreinbau in beiden Achsen
3. Schrittmotorsteuerung
4. Erprobung

Heute Vormittag wurde auf unserer Sternwarte der erste scharfe Test gemacht und es hat geklappt (Venus am Taghimmel).
Zur Belohnung gab‘s eine Corona-Zigarre und ein Freibier.

Zur ausführlichen Bescheibung hier der Bericht als PDF.

Euer Stefan Kunz